Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert bessere Vernetzung der Hilfen für Kinder aus Suchtfamilien

Pressemitteilung - geschrieben am Montag, 10. Februar 2020 - 09:08

Stuttgart 10.02.2020   In Baden-Württemberg haben rund 150.000 Kinder unter 15 Jahren mindestens einen suchtkranken Elternteil. Das ist nach einer Stichtagsergebung der Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (2018) jedes siebte Kind. Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg fordert zum Auftakt der landesweiten Aktionswoche eine bessere Vernetzung der Hilfen und Sensibilisierung für die Gefährdung Kinder suchtkranker Eltern auch in Kitas und Schulen. An der Aktionswoche beteiligen sich sechs PARITÄTISCHE Suchberatungsstellen in Lörrach, Mannheim, Radolfzell, Raststatt, Singen (Geisingen), Villingen-Schwenningen und Weinheim.

„Kinder suchtkranker Eltern sind häufig hoch belastet, verhalten sich aber nicht selten unauffällig. Die Gefahr ist groß, dass Hilfe und Unterstützung zu spät einsetzen. Um diese Kinder im Hilfesystem aufzufangen, müssen mögliche Belastungen oder Entwicklungsgefährdungen schneller erkannt und die Angebotsstrukturen vor Ort besser vernetzt sein. Das erfordert eine enge und systematische Zusammenarbeit zwischen der Sucht-, Kinder- und Jugendhilfe“, betont Ursel Wolfgramm, Vorstandsvorsitzende des PARITÄTISCHEN Baden-Württemberg. „Aber auch das soziale Umfeld der Kinder wie Kitas und Schulen müssen sensibilisiert werden, um psychische und körperliche Auffälligkeiten bei diesen Kindern zu erkennen, zu verstehen und Unterstützung anzubieten“, so Wolfgramm.

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Aktionen PARITÄTISCHER Suchtberatungsstellen in Baden-Württemberg

Fachstelle Sucht Singen: Infostand im Penny in Geisingen am 10.02.2020 von 16.00 - 19.00 Uhr. Kontakt: fs-singen@bw-lv.de

Fachstelle Sucht Singen - Außenstelle Radolfzell, Spendenübergabe der SPD an die Kindergruppe Aufwind am 12.02.2020 von 16:30 bis 17:30 Uhr, Schützenstr. 2 in 78315 Radolfzell. AUFWIND ist eine Gruppe für Kinder aus suchtbelasteten Familien, die dort über ihre Probleme und Ängste reden können. Kontakt: Lars.Kiefer@bw-lv.de

Fachstelle Sucht Villingen-Schwenningen des bwlv, Großherzog-Karl-Str. 6, in 78050 Villingen-Schwenningen: Pressegespräch am 11.02.2020 zur Präsentation der „Kindergruppen tandem und tandem“; Telefonsprechstunde für Eltern und Multiplikator*innen am 18.02.2020. Kontakt: E-Mail inge.haessler@bw-lv.de

Drogenverein Mannheim in Kooperation mit der Suchtberatungsstelle des Caritas

Kinder suchtkranker Eltern besuchen den tierpädagogischen Hof Seelenheil e.V. in Mannheim. Kontakt: Frau Talina Tatomir, E-Mail: tatomir@drogenverein.de

Suchtberatung Weinheim

Veranstaltungen an der Erzieherschule (Helen-Keller-Schule) in Weinheim. Kontakt: Herr Paul Jöst, E-Mail suchtberatung.weinheim@t-online.de  

Drogenberatung Lörrach

„KiSEL – Unterstützung für Kinder und Jugendliche in suchtbelasteten Familien“ zeigt eine Bilderausstellung zum Motto „Was macht mich stark? Darin bin ich stark!“ im Landratsamt in Lörrach und bietet eine offene Sprechstunde an drei Standorten im Landkreis Lörrach (Lörrach, Weil am Rhein und Rheinfelden mit Buchvorstellung) an. Kontakt: Frau Daniela Schmidle, E-Mail: schmidle@drogenberatung-loerrach.de

Fachstelle Sucht Raststatt-Baden-Baden

„Resilienzen bei Kindern aus sucht- und psychisch belasteten Familien“, Fachvortrag von Tanja König, Caritas-Verband und Martina Rapp, BWLV am 11.02.2020 um 17:30 Uhr, Gemeindepsychiatrischer Dienst und Tagesstätte Caritasverband Rastatt, Leopoldplatz 9, 76437 Rastatt

Kontakt: Dr. Martina Rapp, E-Mail: Martina.Rapp@bw-lv.de

Hintergrundinformationen

Laut der ambulanten Suchthilfestatistik 2018 des Landes Baden-Württemberg tragen 24,3 Prozent der Klienten mit einer Suchtdiagnose als Eltern Verantwortung für minderjährige Kinder. Gleichzeitig leben jedoch nur 15,1 Prozent dieser Kinder bei den Eltern im Haushalt. Als Gründe sind vor allem Trennungen von den (Ehe-)Partnern zu vermuten. So leben nur 44,2 Prozent aller Klient*innen mit einer Suchtstörung und Elternverantwortung in einer Partnerschaft. Da auch in Baden-Württemberg nur ein Teil der suchtkranken Menschen Hilfe in den Beratungs- und Behandlungsangeboten sucht, ist es schwierig diese Eltern und deren Kindern mit Hilfestellungen zu erreichen.

Bundesweit haben knapp drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland mindestens einen suchtkranken Elternteil, davon 2,65 Millionen mit der Diagnose Alkoholmissbrauch oder – Abhängigkeit, 40.000 bis 60.000 mit Eltern, die von illegalen Suchtmitteln abhängig sind sowie 37.500 bis 150.000 glücksspielsüchtige Eltern, 60.000 mit einem opiatabhängigen Elternteil und 37.500 bis 150.000 glücksspielsüchtige Eltern (Quelle: Sucht- und Drogenbericht der Bundesregierung 2017).

Die Aktionswoche Kinder aus Suchtfamilien (Abkürzung: COA: Children of Alcoholics/ Children of Addicts) zielt jedes Jahr darauf ab, die Aufmerksamkeit der medialen Öffentlichkeit und der Gesellschaft auf die Kinder aus Suchtfamilien in Deutschland zu lenken. Ziel ist es, Projekten und Initiativen die Möglichkeit zu bieten, ihre Angebote für COAs bekannt zu machen, Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten auf die Thematik aufmerksam zu machen und die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Gemeinden aufzufordern, sich vermehrt für Unterstützungssettings für COAs einzusetzen und diese in die Regelversorgung aufzunehmen.

Der PARITÄTISCHE Baden-Württemberg ist einer der sechs anerkannten Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege. Er ist weder konfessionell, weltanschaulich noch parteipolitisch gebunden. Der Verband steht für Solidarität, soziale Gerechtigkeit und Teilhabe und wendet sich gegen jegliche Form sozialer Ausgrenzung. Ihm sind in Baden-Württemberg über 870 selbständige Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 4000 sozialen Diensten und Einrichtungen angeschlossen sowie rund 40.000 freiwillig Engagierte. Ihm gehören rund 30 Mitgliedsorganisationen aus dem Bereich Sucht- und Drogenhilfe an.

Weitere Infos unter www.paritaet-bw.de

 

Kinder aus Suchtfamilien: Zahlen - Daten - Fakten

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